Jeder Change-Prozess hat seine eigene Taktung. Und diese Taktung ist fast nie synchron mit den Erwartungen, die von oben gestellt werden. Manchmal läuft es langsam an. Manchmal geht es zwei Schritte vor und einen zurück. Aber eines braucht es immer: Geduld. Fehlt diese, passiert genau das, was ich in folgendem IT-Team erlebt habe. Das "alte" Team war verheizt. Das ist das einzige Wort, das passt. Ein Teamleiter im IT-Sektor hatte seine Leute so lange über die Belastungsgrenze getrieben, bis sie nach und nach alle kündigten. Die Konsequenz: Ein neues Team musste her. Junge, talentierte, hoch motivierte Leute wurden eingestellt. Parallel dazu stieg der besagte Teamleiter zum IT-Gesamtleiter auf. Mit dem neuen Posten verlor er das Interesse an der Führung seines alten Teams. So kam der Auftrag an mich: Das Team soll auf Selbstorganisation umgestellt werden. Mein Start in diesem „neuen“ Team war, diplomatisch gesagt, ein Ritt auf Messers Schneide. Der Workload war immens. Die Erwartungshaltung von außen astronomisch hoch. Und die Unsicherheit, ohne klassischen Chef oder Rückendeckung zu arbeiten, war zum Schneiden. Wir sind es trotzdem angegangen. Schritt für Schritt. Wir haben Rollen definiert, Aufgaben geklärt, Prozesse erarbeitet. Wir rangen um das Verständnis von Selbstorganisation. Die Lernkurve spiegelte exakt das wider, was man aus der Change-Kurve kennt: Verwirrung, Ablehnung, Frust. Doch irgendwann wurde es besser. Das Selbstbewusstsein stieg, ebenso die Produktivität. Und dann kam der Bruch. Drei Monate. Mehr Zeit bekam das Team nicht. Dann wurde es der Geschäftsführung zu bunt. Die Produktivität war nicht hoch genug. Die Grenzen des Teams waren zu strikt. Und überhaupt, hat sich das Team viel zu viel mit sich selbst beschäftigt. Also zog der IT-Leiter ohne jegliche Vorwarnung den Stecker. Übernahm wieder selbst. Mit harter Hand. Ohne Rücksicht. Ein Versprechen gebrochen – Vertrauen zerstört. Eine erfolgreich eingeführte Selbstorganisation braucht in der Regel neun bis achtzehn Monate. Hier wurde sie nach 90 Tagen beerdigt. Die Folgen waren brutal: Manche kündigten. Andere wechselten den Bereich. Wieder andere blieben nur, weil man sie mit viel Geld köderte. Das Team war aber tot. Getötet von Ungeduld. Was lernen wir daraus? Veränderung ist kein Sprint. Vor allem dann nicht, wenn es um die Einführung von Selbstorganisation geht. Es ist ein Marathon, der Geduld von der Spitze verlangt. Wer den Wandel im Tal der Tränen stoppt, beweist nicht Stärke, sondern Führungs-Inkompetenz.